Obdachlose Kinder: Sie suchen ein sicheres Heim

Bericht der Reporterin Amna Abdul Aziz Bagdader Tageszeitung Al Mehda vom 17. Mai 2005.
 


Ich war mir bewusst darüber, welches Ausmaß an Zerstörungen, die durch unsinnige Kriege verursacht werden kann, aber wie viele wusste ich auch, dass Kinder der wahre Reichtum in dem Aufbauprozess sind. Weil sie vom rechten Weg abgekommen sind und die Orientierung verloren haben, haben sie am meisten darunter gelitten. Bei meinem Besuch in Rahmen der Feldarbeit, begegnete ich vielen obdachlosen und drogensüchtigen Kindern, die überall in den Strassen und Gassen von Bagdad verstreut waren. Da wünschte ich mir, dass es ein Weisenhaus gäbe, wo diese unschuldigen Kinder, die nicht mehr unschuldig waren, aufgenommen werden könnten.

Mein Wunsch ging in Erfüllung als ich das Weisenheim „Al Bait Al Aamin“ (das sichere Heim) besuchte, das von einer „NGO“ (Non Governmental Organisation) verwaltet wird. Eine Gruppe von Fachärzten, Psychologen und Pädagogen sind dort tätig mit dem Ziel, eine besondere Aufbauaufgabe zu starten. Dort hatten wir ein Treffen mit Herrn Talib Hussein, Leiter des Hauses, der uns über das humanitäre Project „Al Fajr“ unterrichtete. Meistens fuhren wir spät nachts in die Stadt, um diese obdachlosen Kinder zu suchen und mit ihnen eine lange harte Arbeit anzufangen. Die Arbeitsgruppe, die die Kinder sucht, steht vor einer sehr gefährlichen Arbeit.

Sie bringt die Kinder in das „Ibn Rushd“ Krankenhaus, wo sie eine Behandlung gegen alle möglichen Arten der Drogensucht bekommen. Dies erscheint angebracht, denn viele von ihnen wurden missbraucht und mussten unmoralische Handlungen erdulden. Danach beginnt die Ausbildung mit den Analphabeten in der ersten Phase, dann schrittweise die Schulausbildung. Die Kinder, die schon eine gewisse Ausbildung und Behandlung gegen Drogensucht bekommen haben, werden von den Neuankömmlingen getrennt. Kinder, die bestraft werden sollen, wenn sie zu fliehen versuchen, oder wenn sie sich schlecht verhalten, bekommen kein Tagesgeld und werden in einem isolierten Raum gesperrt oder haben keine Spielpause. Sie bekommen keine harten körperlichen Strafen. Dr. Shwan Al Ayoubi 1  erwähnte, dass er eine ähnliche Erfahrung im irakischen Kurdistan 1991 gemacht hatte. Dort wurde ein Weisenheim für Obdachlose und Kinder, die keine Familienunterstüzung hatten, in Sulaimanya eröffnet. Wir haben diese Erfahrungen nach Bagdad gebracht, aber wir brauchen unbedingt die Unterstützung von den Regierungsorganisationen und von den Wohlhabenden, um diese humanitären Projekte in anderen Teilen des Landes zu errichten. Wir erzielen schon heute, eben sowie morgen, die Früchte dieser Projekte, indem diese Kinder ihre Unschuld wieder erlangt haben.

Dr. Etaa, die für die Behandlung von den Kindern gegen Drogensucht zuständig ist, erwähnt, dass sie sich als eine einheitliche Familie verstehen. Sie haben in kurzer Zeit, d.h. in zwei Jahren, große Leistungen erbracht. Berichte von internationalen Organisationen bezeichneten die Lage dieser Kinder, die sie in verschiedenen Teilen des Landes besucht hatten, und wo sie als Drogensüchtige, Mitglieder krimineller Banden, die unter anderem mit Diebstahl beschäftigt sind, als hoffnungslos. Heute bekräftigen wir, dass diese Situation sich total verändert hat. Die Ergebnisse sind ausgezeichnet. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass keine Kinder als Diebe oder Drogensüchtige oder Kriminelle geboren werden. Zerstörte Kinder können behandelt werden und zurück in die normale gesunde Gesellschaft gebracht werden. Uns ist es gelungen, zerstörte Kinder zu behandeln und sie zurück in die Schulen zu bringen. Andere Kinder haben eine gute berufliche Ausbildung bekommen und arbeiteten heute wieder selbständig.